E10 und die Nachhaltigkeit

Dieser Post erschien ursprünglich in meinem alten Blog: http://wp.me/p2MNiR-2t

E10 – gut oder böse?

Ja, ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Kraftstoffe aus Biomasse nicht pauschal nachhaltig, geschweige denn CO2-neutral sind. Vom Gegenteil sollte man aber auch nicht einfach ausgehen. Man muss jedes einzelne Produktionssystem individuell betrachten und bewerten.

Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 1,23 Mio. t Ethanol als Kraftstoff abgesetzt. Davon wurden in Deutschland 0,58 Mio. t hergestellt, die restlichen 0,66 Mio. t mussten importiert werden (BT-Drs. 17/10617).
Das bedeutet, dass über 53 % des in Deutschland als Kraftstoff verwendeten Ethanols importiert wurde.

Laut BMELV wird das für E10 verwendete Ethanol zu ca. 60 % aus Getreide, zu 30 % aus Zuckerrüben und zu etwa 10 % aus Zuckerrohr hergestellt. Getreide und Zuckerrüben stammen dem Ministerium nach aus Europa, das Zuckerrohr aus Brasilien.

Es gibt meines Wissens nach keine öffentlich zugänglichen exakten Informationen über die Flächen, die zum Anbau der Rohstoffe verwendet werden. Waren es brachliegende Flächen oder wurde dort zuvor etwas angebaut und wenn ja was? Wurden für den Anbau Flächen umgebrochen? Wie ist es um die Ökobilanz jedes einzelnen Standorts bestellt?

Die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung regelt dies zwar zu einem bestimmten Maß, allerdings besteht keine Möglichkeit die Überprüfung im Detail nachzuvollziehen.
Des Weiteren können indirekte Landnutzungsveränderungen (iLUC) nicht ausgeschlossen werden, wie es auch auf Seite 7 der Drucksache 17/10617 des Bundestages heißt: „Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass Biomasse für energetische Zwecke auf Flächen produziert wird, die vorher zur Produktion von Biomasse für andere Zwecke (z. B. Lebens- oder Futtermittel) genutzt wurden, und deren Produktion infolgedessen zumindest teilweise in Gebiete mit hohem Kohlenstoffgehalt (z. B. Wälder oder Moore) oder mit hoher biologischer Vielfalt verdrängt wird.“

Emissionen aus indirekten Landnutzungsänerungen fließen im Übrigen aktuell noch nicht in die Ökobilanz mit ein, da ihre Berechnung wahnsinnig schwierig ist und man noch keinen Standard gefunden hat.

Solange weder genaue Informationen über die Flächen, noch über die Ökobilanzen des Ethanols der einzelnen Flächen öffentlich zugänglich sind, muss ich E10, so wie es jetzt produziert wird, misstrauen.

Meine Schilderungen beziehen sich ausdrücklich nur auf den speziellen Fall E10. Die Nachhaltigkeit von Bioenergie hängt extrem stark vom Einzelfall ab und daher möchte ich mich auf keinen Fall pauschal gegen Biokraftstoffe aussprechen, da zum Beispiel die regionale Produktion von Bioethanol in Kombination mit einer Biogasanlage durchaus nachhaltig sein kann.

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