Aus Abfall wird Strom – Der Rems-Murr-Kreis als innovativer Vorreiter des EEG 2014

Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel plant mit dem EEG 2014 einen neuen Kurs einzuschlagen. Vor allem in Sachen Bioenergie soll sich einiges ändern. Einerseits soll der Ausbau von Bioenergie zur Stromerzeugung auf 100 Megawatt elektrische Leistung pro Jahr begrenzt werden, andererseits solle aber auch der Fokus auf die Gewinnung von Bioenergie aus Bioabfällen gelenkt werden. Grund dafür sind die steigenden Bioabfallaufkommen und das oftmals hohe Energiepotential dieser Abfälle.

Strom und Wärme werden wie üblich aus der Verbrennung von Methan, welches bei der Vergärung der Biomasse entsteht, in einem Blockheizkraftwerk gewonnen. Die durch die Lagerung der Bioabfälle entstehenden Gerüche werden mit Hilfe eines Unterdrucks in der Lagerhalle unterdrückt. Wird die Schleuse zum Lager geöffnet so strömt die Luft von außen nach innen, nicht aber von innen nach außen. Die Abluft wird durch einen Biofilter gereinigt. So liegen die Geruchsemissionen nach Messungen des TÜV mit 100 Geruchseinheiten pro Quadratmeter unter dem fünffach höheren Grenzwert. Als Endprodukt der Gärung entsteht, wie auch bei landwirtschaftlichen Biogasanlagen, neben dem energetisch genutzten Methan auch ein Gärrest, welcher den Landwirten als hochwertiger Dünger dient.

Trotzdem liefert diese Art der Bioenergiegewinnung diverse Vorteile sowohl gegenüber der Energiegewinnung aus landwirtschaftlichen Biogasanlagen als auch der herkömmlichen Deponierung der Bioabfälle. So wird nur in Ausnahmefällen Anbaufläche für Substrat benötigt wie bei der Gewinnung aus landwirtschaftlichen Biogasanlagen, was die potentielle Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Energiepflanzen mindert. Zudem nutzt diese Methode das klimaschädliche Gas Methan, welches bei der Mineralisierung der Biomasse entsteht, zur Energieerzeugung, anstatt es wie ursprünglich auf den Deponien in die Atmosphäre abzugeben. Hier schlägt der Nutzen also sogar doppelt an.

Dass diese Art der Bioenergiegewinnung nicht nur Vision ist zeigt die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Rems-Murr-Kreises mbH (AWG) seit Jahren erfolgreich. Seit 2011 ist die Bioabfallvergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal in Betrieb und verwertet jährlich 36 000 Tonnen Bioabfälle aus der braunen Tonne energetisch. Damit erzeugt sie einen Energieüberschuss von 8,7 Millionen Kilowattstunden Strom und 7,1 Millionen Kilowattstunden Wärme. Der Strom wird ins Netz eingespeist und entspricht ca. einem Bedarf von 3000 Haushalten. Mit dem Erlös aus dem Stromverkauf konnte die AWG die Abfallgebühren für die Verbraucher merklich reduzieren.

Die Wärme wird für die benachbarte Kläranlage der Stadt Backnang genutzt und spart so jährlich rund 600 000 Liter Heizöl (Landkreisnachrichten, 49. Jahrgang, Gesche Clausen, 2010). Bei diesen Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass auch benachbarte Landkreise auf dieses Projekt aufmerksam geworden sind. So plant auch die Landeshauptstadt Stuttgart eine solche Anlage zu errichten, welche in der ersten Ausbaustufe rund 17 500 Tonnen Bioabfälle verwerten soll (Stuttgarter Zeitung, „Auf Schnuppertour in der Backnanger Biogasanlage“, 2012). Als möglicher Standort gilt ein 6,01 Hektar großes Planungsgebiet am nördlichen Siedlungsrand des Stadtteils Zuffenhausen. Im Endausbau soll die Anlage einen Tagesdurchsatz von ca. 95 Tonnen Bioabfall bewältigen (Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, 2012).

„Aus Abfall wird Strom“, dies ist lange keine futuristische Wunschvorstellung mehr. Viel mehr bietet diese Methode eine ökologisch sinnvolle Verwertung der steigenden Bioabfallaufkommen und bereitet so einen neuen, innovativen Weg für die Energiegewinnung aus Biomasse und eine intelligente Energiewende.

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